Moore und Wasserhaushalt in den Bayerischen Voralpen
Moore sind untrennbar mit dem Wasser verbunden. Ohne Wasser gibt es kein Moor. Aber auch die Umgekehrte gilt: Ohne Moore gibt es weniger Wasser in der Landschaft. Die Moore der Bayerischen Voralpen spielen eine entscheidende Rolle im regionalen Wasserhaushalt.
Moore als Wasserspeicher
Ein intaktes Moor kann bis zu 90 Prozent seines Volumens an Wasser speichern. Die Torfmoose und der Torf wirken wie ein Schwamm, der Niederschläge aufnimmt und langsam wieder abgibt. Ein Hektar Moor speichert bis zu 5.000 Kubikmeter Wasser – das entspricht etwa zwei olympischen Schwimmbecken.
In den Bayerischen Voralpen mit ihren hohen Niederschlägen (1.500 bis 2.000 mm pro Jahr) haben die Moore eine wichtige Pufferfunktion. Sie nehmen die Niederschläge auf und verhindern so einen schnellen Oberflächenabfluss, der zu Erosion und Überschwemmungen führen würde.
Wasserfilterfunktion der Moore
Moore wirken als natürliche Wasserfilter. Das durch die Moorschichten sickernde Wasser wird von Schadstoffen, Nährstoffen und Trübstoffen gereinigt. Die Torfmoose und Mikroorganismen im Moor bauen organische Verunreinigungen ab und binden Schwermetalle.
Das aus intakten Mooren austretende Wasser ist von hoher Qualität. Es ist nährstoffarm, sauer und oft bräunlich gefärbt (durch gelöste Huminstoffe). Diese Moorwässer prägen die Bäche und Flüsse der Voralpen und tragen zur Reinheit der Trinkwasservorkommen bei.
Moore als Hochwasserschutz
In Zeiten von Starkregen wirken Moore als natürliche Rückhaltebecken. Sie nehmen die Wassermassen auf und geben sie über Tage und Wochen verzögert ab. Dadurch werden die Hochwasserspitzen in den Bächen und Flüssen der Täler abgemildert.
Die entwässerten Moore der Voralpen haben diese Funktion weitgehend verloren. Statt Wasser zu speichern, leiten die Entwässerungsgräben das Wasser schnell ab. Die Wiedervernässung von Mooren ist daher auch eine Maßnahme des vorsorgenden Hochwasserschutzes.
Moore in Trockenperioden
In Trockenperioden geben Moore das gespeicherte Wasser langsam an die Umgebung ab. Sie halten die Bäche auch in niederschlagsarmen Zeiten am Fließen und tragen zur Grundwasserneubildung bei. Diese Funktion wird mit dem Klimawandel und zunehmenden Trockenperioden immer wichtiger.
Für die Landwirtschaft in den Tälern der Bayerischen Voralpen ist diese Wasserretention von großer Bedeutung. Die aus den Mooren gespeisten Bäche liefern auch im Sommer ausreichend Wasser für die Bewässerung und die Trinkwasserversorgung.
Auswirkungen der Entwässerung
Die Entwässerung von Mooren hat dramatische Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Der Torf sackt zusammen und mineralisiert. Die Wasserspeicherfähigkeit sinkt drastisch. Die entwässerten Flächen trocknen aus und werden anfällig für Bodenerosion.
Die Wiedervernässung ist der einzige Weg, die Wasserhaushaltsfunktion der Moore wiederherzustellen. In den Bayerischen Voralpen wurden bereits einige Moore durch das Verschließen von Entwässerungsgräben und den Bau von Rückhaltebauwerken erfolgreich renaturiert.
Fazit
Die Moore der Bayerischen Voralpen sind unverzichtbare Regulatoren des Wasserhaushalts. Sie speichern Wasser, filtern es, mildern Hochwasser ab und sichern die Wasserversorgung in Trockenperioden. Die Wiederherstellung ihrer hydrologischen Funktionen ist eine Investition in die Zukunft.